Historische Referenzmodelle
Die vorigen Abschnitte haben die fünf- und siebenlagigen Bauweisen als Familien beschrieben. Doch eine Familie kennt man erst, wenn sie Namen bekommt. Die vier folgenden Modelle sind nicht die einzigen Klassiker aus reinem Holz, wohl aber jene, die seit Jahrzehnten als Bezugspunkte dienen, an denen alle anderen gemessen werden. Was sie verbindet, ist ihre Langlebigkeit: Sie sind so lange am Markt, dass ihr Charakter von Spielergenerationen belegt ist, nicht nur von Katalogblättern.
Stiga Clipper Wood. Sieben Lagen reines Holz: dünne Limba-Außenlagen über einem Inneren aus Abachi. Es ist das siebenlagige Holz schlechthin und vermutlich das meistverkaufte seiner Kategorie überhaupt. Sein Charakter ist fest, direkt und von einer Steifigkeit, die ihn dem Composite annähert, ohne Kunstfaser zu verwenden – genau das in 9.5 beschriebene Profil. Und das ohne harte Außenlagen: Die Steifigkeit kommt aus der Zahl der Lagen, nicht aus der Holzart der Oberfläche. Es wiegt mehr als ein mittleres fünflagiges Holz, doch diese Masse arbeitet bei flachen Angriffsschlägen und beim Block für den Spieler. Über Jahre war es die übliche Wahl für alle, die harte China-Beläge mit einer Basis verbinden, die dem harten Schwamm einer Hurricane nicht nachgibt (siehe 12.4). Es ist kein Holz der Zwischentöne, sondern eines der klaren Absichten.
Stiga Allround Classic. Fünf Lagen mit Limba-Außenlagen und Abachi-Kern. Steht die Clipper für Power aus reinem Holz, so steht die Allround Classic für Kontrolle. Sie ist das Holz, das in 9.4 als Beispiel des klassischen Allround-Profils genannt wurde: nachgiebig, gutmütig, mit einer langen Kontaktzeit (Dwell), die den Aufbau von Rotation auch bei unvollkommener Technik erleichtert. Ihr Tempo ist zurückhaltend – eingestuft als ALL, nicht einmal OFF- –, was sie zu einer ausgezeichneten Basis für moderne Tensorbeläge macht, die das Tempo beisteuern, das das Holz nicht liefert. Sie war jahrzehntelang die Standardempfehlung für Spieler in der Ausbildung und für Senioren, denen die Vielfalt der Schläge wichtiger ist als rohe Power.
Yasaka Sweden Extra. Fünf Lagen reines Holz mit Limba-Außenlagen. Yasaka stuft sie als gehobenes Allround-Holz ein (ALL+), eine Stufe über der Allround Classic: etwas schneller und etwas schwerer – rund 85 g –, aber weit entfernt von der Festigkeit der Clipper. Die Limba-Außenlagen geben ihr das warme, etwas nachgiebige Ballgefühl, das in 9.3 beschrieben ist, und das Mehrgewicht bringt eine Spur Power, ohne ihr das Halten des Balls zu nehmen, das die Allround-Familie auszeichnet. Sie versucht nicht, das Composite im Tempo zu schlagen, bietet aber ein Gleichgewicht aus Kontrolle und Power, das sie seit über drei Jahrzehnten im Katalog hält. Sie war die Grundlage unzähliger Vereinskombinationen, mit europäischen Tensorbelägen ebenso wie mit mittelharten China-Belägen.
Nittaku Acoustic. Fünf Lagen mit Limba-Außenlagen und Kiri-Kern. Sie teilt die Limba-Oberfläche der Allround Classic und der Sweden Extra und zeigt, wie sehr sich ein fünflagiges Holz verändert, wenn sich darunter etwas ändert. Der Kiri-Kern – leichter und weniger absorbierend als Abachi, wie in 9.2 erläutert – und die Laminiertechnik, die Nittaku aus dem Bau von Saiteninstrumenten übernimmt, geben ihr eine lebendigere Antwort als den beiden anderen. Viele Spieler beschreiben ihr Ballgefühl als besonders klar, mit wenig Dämpfung in der Blattmitte, und ihr Tempo führt sie ins offensive Feld der fünflagigen Hölzer. Sie zieht jene an, die Leichtigkeit und Feingefühl ohne Composite wollen.
Die vier Modelle zeigen eine Logik, die das ganze Kapitel durchzieht: Die Verbindung von Holzarten, Lagenzahl und Dicke bestimmt den Charakter des Holzes, und kleine Abweichungen in diesen Größen erzeugen Unterschiede, die der Spieler merkt. Sie sind nicht die einzigen Möglichkeiten – jeder Hersteller hat seinen eigenen Katalog reiner Hölzer –, aber sie dienen als Koordinaten: Wer mindestens zwei dieser vier gespielt hat, besitzt einen Bezugsrahmen, um jedes andere einzuordnen. Die Referenzmodelle bei Hölzern mit Composite behandeln 10.4 und 10.5.