OPEN TT§ 8.4 — Oberflaechenbehandlung und ihre Wirkung
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§ 8.4

Oberflaechenbehandlung und ihre Wirkung

Teil III · Die HölzerKapitel 82 min Min. Lesezeit

Die Oberfläche eines neuen Holzes ist nicht immer behandelt. Die Hersteller tragen meist eine Oberflächenbehandlung – Lack oder Versiegelung – auf den Griff auf, viele auch auf das Blatt; andere lassen die Klebeflächen als unbehandeltes Holz. Was nach einer kosmetischen Kleinigkeit aussieht, hat jedoch praktische Folgen, die man kennen sollte, bevor der erste Belag geklebt wird.

Die Behandlung ist vor allem Schutz. Holz ist hygroskopisch: Es nimmt je nach Umgebungsbedingungen Feuchtigkeit auf und gibt sie wieder ab. Ein ungeschütztes Blatt kann durch Feuchtigkeit aufquellen, sich leicht verziehen oder mit der Zeit an Festigkeit verlieren. Die Lackschicht verschließt die Poren und stabilisiert die Struktur gegen solche Wechsel. In feuchtem Klima oder für Spieler, denen die Hand stark schwitzt, ist diese Sperre besonders nützlich.

Doch die Behandlung greift auch in das dynamische Verhalten des Schlägers ein, wenn auch subtiler, als manche Forenbeiträge nahelegen. Eine Lackschicht legt einen steifen Film über die Oberfläche der Außenlagen. Dieser Film härtet die Antwort auf den Treffpunkt leicht und kann die Kontaktzeit (Dwell) um einen Bruchteil verkürzen, weil der Ball unter dem Belag eine weniger aufnahmefähige Oberfläche vorfindet. Die Wirkung ist klein – viel kleiner als ein Wechsel von Belag oder Schwamm –, aber messbar bei Hölzern mit sehr feinem Ballgefühl, etwa Hinoki-Hölzern oder weichen fünflagigen Hölzern aus reinem Holz.

Manche Spieler bevorzugen deshalb unbehandeltes Holz ohne Lack auf den Seiten, auf die der Belag kommt. Der Kleber dringt teilweise in die Faser ein und schafft eine sehr feste Verbindung, ohne steifen Film zwischen Belag und Holz. Diese Verbindung hat aber ihren Preis, vor allem bei wasserbasierten Klebern: Das Wasser, das sie mitbringen, lässt die Fasern des Außenfurniers aufquellen und weich werden, und beim Abziehen des Belags können Splitter oder ganze Stücke dieses Furniers mitgehen. Die Klebstoffarten und ihr Zusammenspiel mit der Oberfläche stehen im Einzelnen in 4.5 und 13.1.

Es gibt also einen Zielkonflikt zwischen Schutz und Leistung, und die übliche Praxis entscheidet ihn zugunsten des Schutzes: Die Klebeflächen eines unbehandelten Holzes bekommen vor dem ersten Bekleben eine dünne Schicht Versiegelung. Eine dünne Schicht ist im Spiel kaum zu spüren und schützt das Außenfurnier bei jedem Belagwechsel; eine dicke Schicht dagegen kann die Haftung des Klebers schwächen und das Gefühl härter machen. Das Gegenteil – den Werkslack abzuschleifen, um mehr Verbindung zwischen Belag und Holz zu gewinnen – ist eine seltene und riskante Praxis: Dabei geht ein Teil eines Außenfurniers verloren, das bei vielen Hölzern sehr dünn ist.

Der Griff verdient eine eigene Anmerkung. Hier wirkt die Behandlung nicht auf das Spiel, sondern auf die Ergonomie. Ein dicker, glatter Lack kann rutschig werden, sobald die Hand schwitzt; eine matte oder leicht raue Oberfläche verbessert die Griffigkeit. Kein Wunder also, dass erfahrene Spieler den Griff eines neuen Schlägers abschleifen, bis die Textur passt, oder Griffbänder anbringen, wie man sie vom Tennis oder Badminton kennt.

Zusammengefasst und praktisch: Die Behandlung des Blattes bestimmt, wie der Belag haftet und wie sehr das Holz beim Belagwechsel leidet, und verändert die Oberflächensteifigkeit geringfügig; die Behandlung des Griffs bestimmt den Halt in der Hand. Keine von beiden ändert den Grundcharakter des Holzes – den bestimmen die Holzarten, die Lagenzahl und das Vorhandensein oder Fehlen von Composite –, aber beide gehören zu den Stellschrauben, die der Spieler nach eigenem Geschmack einstellen kann.