Konfektioniert oder selbst zusammengestellt
Die Unterscheidung wirkt einfach: Ein fertig konfektionierter Schläger kommt mit bereits aufgeklebten Belägen aus der Fabrik und ist sofort spielbereit; einen selbst zusammengestellten Schläger baut man aus getrennt gewähltem Holz und getrennt gewählten Belägen zusammen – selbst oder im Shop. In der Praxis ist der Unterschied nicht nur einer des Ablaufs, sondern einer der Philosophie, und die richtige Wahl hängt davon ab, an welchem Punkt seines Weges der Spieler steht.
Der konfektionierte Schläger bietet drei echte Vorteile. Der erste ist, dass keine Entscheidungen anfallen: Wer nicht weiß, welches Holz er braucht und welcher Belag zu ihm passt, bekommt ein Ganzes, das jemand als Einheit entworfen hat, mit einem Verhältnis von Tempo und Kontrolle, das zumindest stimmig ist. Der zweite ist der Preis: Ein konfektionierter Schläger einer anerkannten Marke in der Mittelklasse (50-80 Euro, nach den Orientierungspunkten aus Abschnitt 18.5) kostet weniger als die Summe seiner einzeln gekauften Bauteile, weil der Hersteller die Kosten für Produktion und Montage über die Stückzahl senkt. Der dritte ist die Unmittelbarkeit: kaufen, auspacken, spielen – ohne auf getrennte Lieferungen zu warten und ohne das Kleben von Belägen lernen zu müssen.
Diese Vorteile haben eine Kehrseite. Die Beläge eines konfektionierten Schlägers sind meist nicht dieselben, die einzeln verkauft werden: Der Hersteller verbaut vereinfachte Versionen oder Beläge aus dem unteren Katalog, mit geringerer Leistung und geringerer Haltbarkeit. Auch das Holz ist, so ordentlich es sein mag, selten dasselbe wie die einzeln erhältliche Version mit demselben Handelsnamen. Das Ergebnis ist ein Schläger, der als geschlossenes System funktioniert. Wenn die Beläge verschleißen – und das tun sie früher als die aus dem offenen Katalog –, kann der Spieler sie nicht immer durch dieselben ersetzen und weiß auch nicht, was er stattdessen nehmen soll, weil das Datenblatt eines konfektionierten Schlägers selten Schwammdicke oder Härte angibt. In vielen Fällen ist es folgerichtig, den ganzen Schläger auszusortieren, statt ihn zu reparieren.
Wann ergibt der konfektionierte Schläger Sinn? In drei klaren Situationen. Für das Kind, das anfängt (Abschnitt 17.1), bei dem Leichtigkeit und Preis mehr zählen als die Anpassung. Für den erwachsenen Freizeitspieler, der ein- oder zweimal pro Woche ohne Wettkampfehrgeiz spielt (Abschnitt 17.4) und für den der Schläger ein Freizeitgerät ist, kein fein abgestimmtes Instrument. Und als Geschenk: Wer Material für jemanden kauft, der nicht weiß, was er will, richtet mit einem konfektionierten Schläger einer bekannten Marke weniger Schaden an als mit einer blind gewählten eigenen Kombination. In allen drei Fällen gilt als Bedingung, bei einer anerkannten Marke (Butterfly, Stiga, Joola, Cornilleau) zu kaufen, und zwar in der mittleren oder oberen Preisklasse der konfektionierten Schläger, nicht in der unteren Klasse des Sportkaufhauses. Der Unterschied zwischen einem seriösen konfektionierten Schläger und einem No-Name-Modell ist größer als der zwischen einem seriösen konfektionierten Schläger und einem selbst zusammengestellten Einsteigerschläger.
Wann empfiehlt sich der selbst zusammengestellte Schläger? Sobald der Spieler regelmäßig trainiert und eine – wenn auch ungefähre – Vorstellung davon hat, was er braucht. Holz und Beläge getrennt zu wählen erlaubt es, Tempo, Kontrolle, Gewicht und Gefühl auf das eigene Spiel abzustimmen, verschlissene Bauteile zu ersetzen, ohne das Holz auszusortieren, und den Schläger weiterzuentwickeln, statt ihn auszutauschen. Das Profil des selbst zusammengestellten Einsteigerschlägers beschreibt Abschnitt 12.1, die Kosten Abschnitt 18.5. Die Montage muss man nicht beherrschen: Spezialisierte Onlineshops (Abschnitt 18.3) bauen den Schläger für einen geringen Aufpreis zusammen.
Die Grenze zwischen beiden Möglichkeiten ist keine der Qualität, sondern eine der Absicht. Ein gut gewählter konfektionierter Schläger ist nicht schlecht; er ist begrenzt. Er taugt für den Anfang und für das Spiel ohne Umstände, aber nicht mehr, sobald der Spieler etwas braucht, das der Hersteller beim Serienentwurf nicht vorgesehen hat. Der selbst zusammengestellte Schläger verlangt mehr Entscheidungen, doch jede davon ist eine Gelegenheit, richtig zu liegen – oder sich mit Überlegung zu irren, was auch ein Fortschritt ist. Den Mythos, jeder konfektionierte Schläger sei minderwertig, widerlegt Abschnitt 20.7. Was dieser Abschnitt festhält: Konfektionierter und selbst zusammengestellter Schläger konkurrieren nicht miteinander, sondern antworten auf unterschiedliche Bedürfnisse zu unterschiedlichen Zeitpunkten.