Alter und körperliche Verfassung
Der erste Punkt der Bestandsaufnahme ist weder der Spielstil noch das technische Niveau noch das Budget: Es ist das, was der Körper des Spielers Schlag für Schlag über eine ganze Einheit hinweg tragen kann. Material arbeitet innerhalb der Grenzen der Physis, die es bewegt, und eine Ausrüstung, die diese Grenzen überschreitet, wird davon nicht besser, sondern schlechter. Die körperliche Verfassung setzt die Decke, unter der alle weiteren Entscheidungen bleiben, und deshalb steht sie am Anfang dieses Kapitels.
Das Lebensalter kommt dabei als Hilfsgröße ins Spiel, nicht als die eigentliche Größe. Es zählt nicht, ob jemand vierzig oder sechzig geworden ist, sondern welche Armgeschwindigkeit er hält, wie lange die Schulter einen langen Satz durchsteht, wie schnell er auf einen Richtungswechsel reagiert, wie klar er den Absprung noch liest. Es gibt Fünfundfünfzigjährige, die viermal in der Woche trainieren und einen Schläger führen, den ein unsportlicher Fünfunddreißigjähriger keine drei Punkte lang unter Kontrolle hielte; umgekehrt kommt es ebenso vor. Das Alter hängt mit diesen Fähigkeiten zusammen – besonders ab einer gewissen Schwelle –, ersetzt sie in der Bestandsaufnahme aber nicht. Kapitel 17 entfaltet die typischen Anpassungen je Lebensabschnitt; hier geht es um das Prinzip, nicht um eine Verordnung nach Jahrgang.
Die körperlichen Größen, die das Material verstärkt oder bestraft, sind im Kern fünf. Armgeschwindigkeit und Explosivkraft des Unterarms, denn harte Beläge und schnelle Tensoren geben ihre Leistung nur dem Spieler, der sie mit einem vollen Schlag aktiviert; mit langsamem Arm gleichen sie nichts aus, und der Ball kommt kraftlos oder fällt ins Netz. Muskuläre Ausdauer, denn eine Ausrüstung, die sich im ersten Satz gut führen lässt, kann im fünften unführbar werden, wenn Gewicht oder Steifigkeit vorzeitig ermüden. Regenerationsfähigkeit zwischen den Einheiten, die bestimmt, wie viele Schläge höchster Anforderung pro Woche möglich sind, ohne dass sich Beschwerden ansammeln. Reflexe und Reaktionsgeschwindigkeit, die Spielabstand und Tempo begrenzen und damit auch den Schlägertyp, der zu diesem Abstand passt: Ein sehr schnelles Holz mit ausgeprägtem Katapulteffekt verliert seinen Sinn für einen Spieler, der mehr Zeit braucht, um den Ball zu lesen. Gelenkverträglichkeit in Schulter, Ellbogen und Handgelenk, die auf schwere Schläger und sehr steife Hölzer schlecht reagiert und die Monate oder Jahre braucht, um sich von einer Überlastung zu erholen.
Die Augen verdienen eine eigene Erwähnung, auch wenn sie kein Muskel im Sinne der Liste sind. Die Schärfe im Nahbereich und das Tiefensehen beeinflussen, wie schnell die ankommende Rotation und die abgehende Flugbahn erkannt werden. Verlangsamt sich dieses Lesen, gleicht Material, das Fehler im Timing verzeiht – längere Kontaktzeit, weicherer Schwamm, weniger Katapult –, einen Teil dessen aus, was das Auge nicht mehr gleich auflöst. An diese Größe denkt ein Spieler selten, bis er Blocks zu verfehlen beginnt, die er früher ohne Hinsehen löste.
Keine dieser Größen liegt fest. Sie ändern sich mit dem Training, mit Verletzungen, mit dem Schlaf und mit den Lebensabschnitten, die einen Spieler monatelang vom Tisch fernhalten. Der häufige Fehler ist, Material für die Physis von vor fünf Jahren zu wählen oder für die, die man zu haben glaubt, statt für die dieser Saison. Eine ehrliche körperliche Bestandsaufnahme heißt, den gewünschten Schläger tatsächlich zu wiegen und dreißig Minuten am Stück ohne Pause mit ihm zu schlagen: Was der Arm nach dieser halben Stunde sagt, ist verlässlicher als jedes Datenblatt. Abschnitt 15.7 kommt auf die Anzeichen zurück, dass das bisherige Material nicht mehr zum heutigen Spieler passt.