OPEN TT§ 8.6 — Datenblaetter der Hersteller richtig lesen
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§ 8.6

Datenblaetter der Hersteller richtig lesen

Teil III · Die HölzerKapitel 82 min Min. Lesezeit

Das Datenblatt eines Holzes verspricht mehr, als es hält. Es sieht aus wie ein sachliches Dokument – Daten, Zahlen, Spezifikationen –, mischt aber belastbare Angaben mit herstellerinternen Schätzungen, die man auseinanderhalten sollte, bevor man entscheidet.

Am verlässlichsten ist das Strukturelle. Die Lagenzahl, der Aufbau (welche Holzarten, ob Composite und welches), die Dicke des Blattes und die verfügbaren Griffformen sind nachprüfbare Angaben, die von Exemplar zu Exemplar gleich bleiben. Wer „5+2 ALC, Kern aus Kiri, Außenlagen aus Koto, 5,7 mm dick“ liest, weiß genau, welche Bauweise er vor sich hat. Zusammen mit dem, was 8.1 und 8.2 erklären, lässt sich daraus der grobe Charakter des Holzes vorwegnehmen, bevor man es angefasst hat.

Das Gewicht wird meist als Spanne angegeben – „85 ± 5 g“ – und hier beginnt die erste Grauzone. Die Gewichtsstreuung zwischen Exemplaren desselben Modells ist real und überschreitet manchmal die angegebenen Grenzen, denn Holz ist ein Naturmaterial mit Dichteunterschieden zwischen den Stücken. Die veröffentlichte Spanne gibt eine Richtung vor, das genaue Gewicht kennt man erst mit dem Exemplar in der Hand. Wem das Gewicht entscheidend ist – und laut 8.5 sollte es das für mehr Spieler sein, als es berücksichtigen –, dem sagt die Waage mehr als der Katalog.

Bei der Tempoeinstufung wird das Datenblatt am unzuverlässigsten. Die Hersteller vergeben Kategorien – DEF, ALL, OFF-, OFF, OFF+ – oder Zahlenwerte auf einer eigenen Skala. Das grundsätzliche Problem solcher Skalen wurde in 2.8 behandelt und gilt hier mit denselben Mängeln: Jede Marke legt ihre eigene interne Referenz fest, einen Standard gibt es nicht, und die Werte sind zwischen Katalogen nicht vergleichbar. Bei Hölzern kommt ein weiterer Nachteil hinzu. Das vom Hersteller gemessene Tempo gilt für das nackte Blatt – ohne Beläge –, und wie 8.5 erläutert hat, sagt dieses Tempo nichts über das des fertigen Schlägers. Ein OFF--Holz mit einem schnellen Tensor kann schneller spielen als ein OFF-Holz mit einem kontrollierten Belag. Die Einstufung hilft, ein Modell innerhalb der Palette seiner Marke einzuordnen; sie taugt nicht dazu, das Verhalten des fertigen Schlägers vorherzusagen. Diese Vorhersage hängt von der Kombination ab und gehört zu Kapitel 11.

Aufschlussreicher als das angegebene Tempo ist eine Angabe, die viele Datenblätter auslassen: die Steifigkeit. Manche Hersteller drücken sie als „stiff“, „medium“ oder „flexible“ aus, andere erwähnen sie gar nicht. Dabei prägt die Steifigkeit Ballgefühl und Spielart ebenso stark wie das Tempo, wenn nicht stärker. Ein steifes Holz mit dem Etikett OFF- spielt sich völlig anders als ein flexibles OFF-, obwohl beide dieselbe Kategorie tragen. Steht diese Angabe im Datenblatt, lohnt es sich, sie genau zu lesen. Fehlt sie, bleiben nur Testberichte oder der eigene Versuch.

Es gibt auch Angaben, die Datenblätter nie liefern: die genaue Balance zwischen Blatt und Griff, das Swingweight, die Schwingungsfrequenz. Das sind Eigenschaften, die das Spielerlebnis beeinflussen – wie 8.5 und 2.7 im Einzelnen zeigen –, deren Erfassung aber Messtechnik erfordert oder zumindest ein geschultes Empfinden. Der Hersteller veröffentlicht sie nicht, weil sie schwer standardisiert zu messen sind und weil sie mit dem gewählten Griffgewicht schwanken.

Praktisch gelesen heißt das: Das Datenblatt eines Holzes taugt dazu, zu verstehen, was darin steckt, und Modelle auszuschließen, die nicht zum Gesuchten passen. Es taugt nicht dazu, zwischen zwei ähnlichen Modellen zu wählen oder vorwegzunehmen, wie sich der Schläger fertig beklebt anfühlt. Dafür braucht es Kontext – Kapitel 9 oder 10, je nach Holzart – und am Ende die eigene Hand.